Anfang Dezember tauchte sie wieder auf:
die kleine rote Tür unten an der Fußleiste, links neben der Steckdose, genau dort, wo man sonst nie hinsah. Manche hielten sie für Dekoration, andere für einen harmlosen Brauch aus Skandinavien. Wer jedoch genauer hinsah, erkannte die Wahrheit:
Der Weihnachtswichtel war eingezogen.
Sein Name war Patch, und Patch war kein gewöhnlicher Wichtel.
Patch arbeitete in der IT.
Niemand wusste genau, wo er das tat – manche vermuteten einen Rechenzentrumskeller in Lappland –, aber seine Handschrift war eindeutig. Bereits am zweiten Morgen nach seinem Einzug zeigte der Drucker im Büro kryptische Fehlermeldungen an, die entfernt an JSON erinnerten. Die Kaffeemaschine verlangte plötzlich ein Firmware-Update. Und alle Monitore waren auf exakt 98 % Helligkeit eingestellt.
Patch liebte Streiche, aber niemals plumpe.
Er bevorzugte subtile Eskalationen.
So klebte er über Nacht kleine Post-its an die Weihnachtswichtel-Tür:
„Passwort abgelaufen.“
„Hast du es schon aus- und wieder eingeschaltet?“
„Das ist kein Bug, das ist ein Feature.“
Am dritten Advent lag unter der Tür ein USB-Stick. Niemand steckte ihn an – man war schließlich erwachsen und sicherheitsbewusst –, aber am selben Tag änderte sich das WLAN-Passwort automatisch in „HoHoHo_2025!“. Der Router behauptete später, er habe das selbst so entschieden.
Patch arbeitete mit Geduld.
Er stellte keine Fallen, er optimierte Prozesse.
Eines Morgens waren alle Kalendertermine umbenannt:
- „Meeting“ → „Meeting (hätte auch eine Mail sein können)“
- „Jour fixe“ → „Jour fixe (bringt nix, aber wir tun so)“
- „Weihnachtsfeier planen“ → „Scope Creep mit Glühwein“
Niemand konnte es beweisen, aber alle wussten:
Der Wichtel hatte Zugriff.
Hinter der kleinen Tür hörte man nachts manchmal ein leises Tippen, ein zufriedenes Murmeln, gelegentlich ein trockenes Lachen. Einmal lag vor der Tür ein Mini-Pulli mit der Aufschrift:
„Have you tried turning Christmas off and on again?“
Der Höhepunkt kam am 23. Dezember.
Alle Systeme liefen erstaunlich stabil, der Stress war weg, die To-do-Liste kürzer als sonst. Und unter der Wichtel-Tür lag ein Zettel:
„Ich habe nichts kaputt gemacht.
Ich habe nur gezeigt, wo es ohnehin schon geknirscht hat.“
– Patch
Am Heiligabend war die Tür verschwunden.
Kein Geräusch, kein Abschied.
Doch irgendwo, tief im Logfile des Lebens, blieb eine kleine Notiz zurück:
INFO:
System war instabil.
Humor wurde erfolgreich deployed.
Und seitdem wissen alle:
Wenn im Dezember plötzlich alles ein bisschen schief läuft –
aber irgendwie besser –
dann war er wieder da.
Der IT-Wichtel.
Hinter der kleinen Tür. 🎄💻

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